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Leseprobe

Nie wieder Pickel!

LESEPROBE VON MEINEM BUCH

Hier erst mal eine Leseprobe von meinem Buch. Es sind immer nur einige Zeilen. Wenn ihr mögt könnt ihr auch gerne eure Meinung zu dem Buch ( Leseprobe) abgeben.

Die Leseprobe ist allerdings unlektoriert.

Die ersten Seiten von Kapitel 1 ( Fachklinik) 

Heute ist Sonntag. Vorerst der letzte Sonntag an dem ich wieder zurück muss. So ging es die letzten 8 Sonntage. In den letzten Wochen ist sehr viel passiert. Es ist so viel hoch gekommen. In mir ist so viel am Arbeiten. Und in 3 Wochen habe ich meinen ersten ambulanten Termin. Und in gut 4 Monaten dann wieder Stationär. Die 10 Wochen, die ich dort war, taten gut. Die taten sehr gut. Ich hätte nie gedacht, dass die Vergangenheit einen so mitnehmen kann. Es fing an, als ich 2 Jahre alt war. Das war 1976. Und es hörte auf, als ich fast 23 Jahre war. 1997. In der Zeit spielen mein Vater, ehemalige Schulkameraden und mein Ex-Freund eine große Rolle.

Was genau am schlimmsten war, kann ich nicht sagen. Einiges, was ich jetzt über meinen Vater weiß, weiß ich aus Erzählungen meiner Mutter. Einiges davon kommt blitzartig als Bilder hervor. Und die Puzzleteile passen immer mehr zusammen, sie finden ihren Platz. Es ist so widerwärtig. An meiner Schulzeit und meinem Ex-Freund erinnern ich mich noch ganz genau. Vielleicht hätte ich einiges über meinen Vater lieber nicht erfahren sollen. Aber vielleicht ist es auch besser so. Meine Muskelzuckungen sind fast weg. Auf jeden Fall erinnern diese Zuckungen nicht mehr an epileptische Anfälle. Sie sind um einiges zurückgegangen. Und ich merke, sobald ein bestimmtes Thema auf dem Tisch kommt, wird mir wackelig auf den Beinen, meine Augenlider werden schwer, ich fange an zu zittern. Ich zitter so, dass ich noch nicht einmal meine Zigarette ruhig halten kann. Ich kann dann nicht reden. Ich kann noch nicht einmal sagen, dass ich ein Glas Wasser brauche. Aber dort wo ich die letzten Wochen war und auch noch bis Mittwoch bin, wissen die, dass ich Wasser brauche, das steht in meiner Akte. Wenn ein bestimmtes Thema aufkommt, wird mein Kopf ganz schwer, meine Arme und Beine, ich bekomme leichte Muskelzuckungen und Verkrampfungen, ich bin wie weggetreten. Vor 10 Wochen, als ich noch im städtischen Krankenhaus war, also noch nicht in der Fachklinik, habe ich noch alles auf die Schilddrüse, auf Hashimoto Thyreoiditis geschoben. Als ich die Diagnose im November bekam und mit der Thyroxineinnahme begann, gingen ganz langsam viele Symptome weg, aber nicht die oben aufgezählten. Die Muskelzuckungen traten ca. 14 Tage nach Diagnose auf. Ich habe es erst auf die Thyroxineinnahme geschoben. Aber Thyroxin ist doch einfach nur T4, Schilddrüsenhormone, die jeder gesunde Körper beziehungsweise, jede gesunde Schilddrüse produziert, davon können keine Zuckungen auftreten. Ich fing mit Thyroxin 50 an und bin nun fast 5 Monate später, auf Thyroxin 75. Ins städtische Krankenhaus kam ich, wegen Verdacht auf Hashimoto Enzephalopathie. Bei der Krankheit greifen die TPO- Antikörper nicht die Schilddrüse, wie bei Hashimoto Thyreoiditis an, sondern Neuronen im Gehirn. Die Symptome für die Krankheit waren da. Das MRT, das im November gemacht wurde, war unauffällig. Im städtischen Krankenhaus haben die deshalb nur ein EEG am Tag der Aufnahme gemacht und eins am nächsten Tag, während eines Anfalls. Beide waren unauffällig. Mein Blutbild ebenfalls. Zwei weitere Tage darauf haben die Ärzte aus dem Krankenhaus mir schon einen Termin bei einer Psychologin, Frau M.-L. gemacht. Ich sagte denen, die sollen noch mehr Untersuchungen machen. Ich wusste doch, dass es noch mehr Untersuchungen gibt. Es gibt doch die Lumbalpunktion, oder wie auch immer die heißt. Bei der Untersuchung wird einem Hirnflüssigkeit aus dem Rücken geholt und untersucht. Und die Ärzte hätten auch noch mal ein MRT machen können. Aber sie haben es nicht gemacht. die sind sofort auf die Psyche gegangen. so wie die Ärzte schon ein dreiviertel Jahr zuvor ständig meinten, es sei die Psyche. Vor einem dreiviertel Jahr, als ich noch nicht die Diagnose Hashimoto Thyreoiditis bekam, obwohl 2 Ärzte es auf jeden Fall wussten. Es wurde von denen diagnostiziert. Im Januar 2005 schon, hat es der

Internist Dr. P. diagnostiziert. Im April wusste es mein alter Hausarzt Dr. J. Aber keiner von beiden gab mir die richtigen Medikamente, die Thyroxin, die Schilddrüsenhormone.  

Als ich das erste mal auf Arbeit umkippte und mein Blutdruck und mein Blutzucker ziemlich weit unten waren, dachte ich eigentlich, es sei nur der Kreislauf, mehr nicht. Arbeitskollegen riefen den Rettungwagen. Es ging alles so schnell. Ich bekam nicht viel mit. Mein Puls war ziemlich weit oben. Die Notärzte brachten mich mit Sirene und Blaulicht ins Krankenhaus. Dort bekam ich eine NACL- Injektion. Meine Schwester wurde in der Zwischenzeit benachrichtigt. Sie kam zu mir ins Krankenhaus, mit meinem Schwager. Da ich kurz danach wieder gehen konnte, nahmen die beiden mich mit. Erst mal gingen wir zu den beiden nach Hause. Von dort rief ich in der Firma an und sagte, dass ich am nächsten Tag wieder zur Arbeit komme. Aber mein Chef, beziehungsweise die rechte Hand von meinem Chef, L. meinte, ich solle mir zumindest für den nächsten Tag eine Krankmeldung holen und dann erst am Mittwoch wieder zur Arbeit kommen. Dies machte ich dann auch. Die nächsten 14 Tage waren die Hölle. Ständig Schwindel, das Gefühl, dass die Stirn aufbläht, kribbeln in Händen und Füßen, welliger Boden, Panikattacken, das Gefühl, eine Flüssigkeit wird durch meine Stirn gespritzt, Drehschwindel, Probleme beim Gucken. Ich ging noch mal zum Internisten und erzählte es ihm. Er guckte mich an, grinste und sagte dann nur, das ist der Kreislauf und gab mir KORODIN, Herz-Kreislauf-Tropfen. Auch mein Blutdruck war zu der Zeit wieder ziemlich im Keller. Die Symptome waren doch eindeutig und die Diagnose hatte er doch schon im Januar, 3 Monate vorher, als es mir noch gut ging, gestellt. Im Januar ging ich zu ihm, weil ich schon seit sehr vielen Jahren an Knie und Gelenkschmerzen litt. Dr. P nahm Blut ab. Unter anderem auch die Schilddrüse, da ich ihm sagte, dass ich ständig nur am Futtern bin, aber nicht zunehme. Dr. P. wollte mich auf einer Überfunktion der Schilddrüse untersuchen. Aus dem Blutbild ging hervor, dass ich eine Unterfunktion der Schilddrüse und Rheumatische Arthrose habe. Dr. P. fragte mich, ob ich oft friere und ob ich trockene Haut und Schlafprobleme habe. Ich konnte alles mit JA beantworten. Daraufhin sagte er, dass ich nicht unbedingt Rheumatische Arthrose haben muss, sondern das alles mit der Schilddrüse zusammen hängen kann. Er müsste noch mal Blut abnehmen. Komisch sei auch, dass ich eine Unterfunktion der Schilddrüse habe, denn normalerweise müsste ich sehr korpulent sein und nicht bei einer Größe von 1,72 m 57 Kg wiegen und das, wo ich doch alles Mögliche in mich hineinschaufel. Eine Woche später sagte er mir, dass ich Rheumatische Arthrose hätte und gab mir Cortison und das mit der Schilddrüse könne er sich nicht erklären. Er gab mir nichts für die Schilddrüse und ich hatte keine Ahnung was das bedeutet. Für mich war die Schilddrüse nur fürs zu und abnehmen verantwortlich. Ich wusste nicht, dass die Schilddrüse alles steuert. Aber Dr. P. musste es wissen, er ist doch der Internist. Und außerdem hat er doch zu dem Zeitpunkt Hashimoto Thyreoiditis bei mir festgestellt. Er hat es diagnostiziert. Spätestens doch, als ich im April bei ihm war, hätte er doch aber etwas machen müssen. Spätestens dann. Die Symptome der Hashimoto Thyreoiditis waren da. Er hätte im Januar schon etwas machen müssen.

 2 Wochen nachdem ich im April das erste mal umkippte, kippte ich ein zweites mal um. Diesmal ging es bis zur Hyperventilation, fast bis zur Bewusstlosigkeit. Schon wieder kam der Krankenwagen und ich kam mit Blaulicht und Sirene ins Krankenhaus. Diesmal behielten sie mich dort.

Es wurde mir gesagt, dass die mich vollkommen auf dem Kopf stellen, dass die mich richtig untersuchen wollen. Ich war sofort einverstanden. Nachdem die Routinen- neurologischen Untersuchungen fertig waren, inklusive einer Panikattacke von mir, kam ich zum CT. Gleich danach wurde ich mit dem Krankenbett auf Station gefahren. Auf dem Weg dorthin, sah ich schon meine Schwester. T. wartete dort auf mich. Als sie mich sah, stand sie auf und kam zu mir. Als sie bei mir am Bett stand, wollte ich ihre Hand. Ich streckte meinen Arm aus und sie gab mir ihre Hand. Dann fingen wir beide fast an zu weinen. Sie sagte mir: " Deine J. siehst du heute nicht. Wir holen sie gleich zu uns. Ti. hat mich angerufen. Er hat mir gesagt, was passiert ist!" Ti. ist mein Vorarbeiter. Er rief meinen Chef an und dann kam auch gleich der Anruf zu meiner Schwester. Wir arbeiteten in der selben Firma in verschiedenen Abteilungen. J. ist meine Hündin. Meine Schwester hat schon mit der Ärztin gesprochen und von ihr wusste sie, dass ich erst mal stationär aufgenommen werden sollte.

Am nächsten Tag sollte ich erst mal zum Echo, Herzultraschall. Nachdem der unfreundliche Assistenzarzt das Ultraschall machte, sagte er mir, es sei alles in Ordnung. Kurz darauf, als ich wieder im Zimmer auf Station war, sagte er, ich solle doch mal zu einem Psychologen, dass sei alles psychogen, ich werde entlassen. Ich sagte ihm, dass mir die Ärztin in der Notaufnahme doch aber sagte, dass die mich hier richtig Untersuchen wollen. Daraufhin meinte er: " Sie sagte es, weil sie es nicht besser weiß!" Wie eingebildet muss ein Arzt eigentlich sein, um so etwas zu sagen. Zum Schluss sagte er noch, dass er mir einen sehr guten Psychologen empfehlen kann und falls ich noch mal hyperventiliere, soll ich mir eine Aldi-Tüte vor dem Mund halten, die kostet doch nur 9 Cent. Ich kam mir vor, wie ein Hypochonder.

Die Zeit der vielen Untersuchungen fingen an. Zum Schluss kam ein 24 Stunden EKG. Dort wollte mein alter Hausarzt Dr. J. herausgesehen haben, dass ich "plötzlich abfallenden Blutdruck" habe. Da ich von Dr. P. auch noch DET-MS, blutdrucksteigende Medikamente in Tropfenform bekam, gab mir Dr. J. diese dann auch noch in Tablettenform. Diese sollte ich dann jeden Morgen nehmen. Und die Tropfen bei Bedarf. Dazu noch jeden Tag schön viel Brühe trinken. Und in Brühe ist so viel Jod drin. Jod ist bei Hashimoto eine Art Gift.  

Richtig gut ging es mir dadurch noch immer nicht. Aber ich ging nicht mehr zum Arzt, denn wirklich finden tun die eh nichts. Dies hielt ich dann bis Juli aus. Ich hatte Angst zum Arzt zu gehen. Die meinen ja eh immer, es sei die Psyche.

Bis November ging dies so. Zwischenzeitlich bekam ich mal Thyroxin 75 von Dr. J. , was ich aber 50 Tage später wieder absetzten sollte, da ich in einer Überfunktion kam. Das Absetzten von Thyroxin oder anderen Schilddrüsenhormonen ist das schlimmste, das Gefährlichste für einen Hashimoto erkrankten Menschen. Was ich selber kurz danach auch zu spüren bekam Selbst als im November die Diagnose Hashimoto auch mir bekannt gegeben wurde, diesmal war ich bei einem anderen Internisten, Dr. A.-M., bekam ich auch noch Tabletten gegen Schizophrenie und er fragte mich, ob ich Probleme hätte, ob ein Psychologe vielleicht richtig wäre. Ich konnte es nicht glauben, die Diagnose war da, die ganzen Symptome hatten einen Namen und schon wieder wurde auf die Psyche herumgehackt.

Und auch jetzt im städtischen Krankenhaus gehen die auf die Psyche, nachdem die gerade mal "eine" Untersuchung gemacht haben. Das ganze halbe Jahr, von April bis November, schoss mir durch den Kopf. Wie wird mein neuer Hausarzt darauf reagieren. Im November wechselte ich meinen Hausarzt. Ich ging zu Dr. W. Ein sehr guter Arzt in meinen Augen. Auch er musste wegen mir mal den Krankenwagen rufen.

Als ich dann in der Fachklinik zu Frau M.-L. kam, erzählte ich ihr, was ich im letzten dreiviertel Jahr mitgemacht habe und sie war auch der Meinung, dass die Ärzte körperlich weiter gucken müssten. Aber die Ärzte im städtischen Krankenhaus wollten es nicht. Eine weiter Woche später saß ich wieder bei Frau M.-L.. Am nächsten Tag kam ich in die Fachklinik. Dort bekam ich sehr viele Zettel mit sehr vielen und merkwürdigen Fragen. Unter anderem sollte ich auch einen Lebenslauf schreiben.

Am Tag, als ich dort ankam, guckte ich mir die Station an. Dabei stieß ich auf Dr. O. Er ist dort nicht nur Therapeut, sondern auch Arzt. Dort in der Klinik sind zwei Therapeuten, die auch Ärzte sind. Einmal Herr Dr. O. und dann Frau Dr. B. Frau Dr. B. hat dort aber gekündigt, da sie woanders hinziehen wollte. Aber als ich dort aufgenommen wurde, arbeitet sie noch dort. 3 Wochen vor meiner Entlassung ist sie gegangen. Dr. O. nahm mich mit ins Untersuchungszimmer. Er stellt mir Fragen, ich antwortete und erzählte ihm auch von der Hashimoto. Und zu meinem Erstaunen merkte ich, dass er die Krankheit nicht als " Macht-Nichts-Krankheit" sieht. Er hat einer Erhöhung der Thyroxindosis zugestimmt, wenn das Blutbild es erlaubt. Ich fragte ihn, wie er es mit den Normwerten des Blutes sieht. Er redete dann von Wohlfühlwerten und nicht von den Normwerten und das einer Erhöhung von 68,75 auf 75 nichts im Wege steht. Ich war echt froh, denn der wellige Boden und das Fallgefühl waren wieder da. Ich war so froh, dass ich bei Dr. O. gelandet bin.

Da ich Freitags reinkam, hatte ich das ganze Wochenende Zeit, meinen Lebenslauf zu schreiben. Das erste Wochenende darf man über Nacht nicht nach Hause, erst am zweiten und Sonntagsabends muss man bis 22 Uhr wieder in der Klinik sein. Also schrieb ich meinen Lebenslauf. Als ich damit fertig war, laß ich ihn mir noch mal durch und da dachte ich nur, Oh mein Gott, das ist nicht das Leben einer 31 jährigen, das ist das Leben von 3   80 jährigen. Erst da wurde mir bewusst, dass mein Leben die reinste Hölle war. Ein Arschloch als Vater, gemeine Schulkameraden, einen aggressiven Ex-Freund und eine egoistische Mutter.

Heute ist Montag und ich hatte mein letztes Einzelgespräch mit meiner Therapeutin Frau Ri. In 4 Monaten soll ich mich noch mal melden, um einen neuen Termin zu vereinbaren, wann ich wieder stationär aufgenommen werde. Die Voraussetzung ist aber, dass ich eine ambulante Therapie weitermache. Dies werde ich auch machen, da ich selber auch merke, dass ich es brauche. Und es wird mir auch gut tun. Wenn ich mal so nachdenke, dass ich vor 10 Wochen nichts mit der Psyche zu tun haben wollte und nun habe ich schon für den 19.04.06 einen ambulanten Termin. Das ist in 3 Wochen und 2 Tagen. Und ich werde es wirklich brauchen. Es ist so verdammt viel hoch gekommen.

Mein Vater gehört ins Gefängnis, dass weiß ich jetzt. Er hat den Tod verdient.

Mit einem weiteren Patienten habe ich vor gut 2 oder 3 Wochen ein Lied geschrieben. In dem Lied habe ich meinen Vater getötet. Es tat einfach gut. Es war ein herrliches Gefühl. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben. Man kann es nur fühlen. Man kann es dann fühlen, wenn man es dichtet und singt. Es ist die pure Erleichterung. Für Außenstehende ist es sicherlich sehr hart. Aber nur, wenn man seinen Vater liebt. Nur dann ist es hart. Aber für mich kann es nicht hart genug sein. Ich finde dieses Lied ist noch sehr harmlos. Viel zu harmlos. 


© 2007 by Patrizia Seele alias seelenmord




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